Nachdem am 08. Dezember 2004, nach gebilligter Parlamentsvorlage, der Vertrag für die Vorserie des SPz PUMA zwischen dem BWB (Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung) und dem gesamtverantwortlichen Auftragnehmer, der Firma PSM (Project System Management), unterzeichnet wurde, laufen nun die Arbeiten im Rahmen der Projektierungsphase auf Hochtouren. Ziel ist es, bis Ende 2005 einen "Gesamtsystemdemonstrator" zum Nachweis der wesentlichen Forderungen vorzustellen.
Fünf der insgesamt vorgesehenen 410 Schützenpanzer werden dann im Zeitraum III/2006 – II/2007 geliefert, um daran vorrangig die Ausbildung der Ausbilder sowie die integrierte Nachweisführung durchzuführen. Das Ergebnis dieser Nachweisführung ist dann die Basis für die Parlamentsvorlage zur Auslösung der Option zur Produktion der weiteren 405 Schützenpanzer. Der Auslieferungsbeginn dieser Serienfahrzeuge ist nach gegenwärtigem Planungsstand im IV. Quartal 2009 zu erwarten.
Terminplanung
So fanden im Juni 2004 und im Februar 2005 Verstau- und Ergonomieuntersuchungen an einem Holzmodell in Originalgröße statt. Hier kam es darauf an, die Sitzkonfigurationen zu optimieren, die Verstauung der Ausrüstung zu planen sowie ergonomische Forderungen abzugleichen. So müssen alle Sitze, aber auch die Funktionalitäten der Bedienung auf die Belange von männlichen und weiblichen Soldaten im Größenspektrum von ca. 1,60 m bis 1,95 m ausgelegt sein.
Die Soldaten im Hinteren Kampfraum werden die Ausrüstung des "Infanterist der Zukunft" angelegt haben. Das erfordert andere ergonomische Bedingungen als wir sie z.B. im SPz Marder vorfinden.
![]() | ![]() | ![]() |
| Holzmodell, hinterer Kampfraum | Holzmodell, Soldat in Gurtsitz | Holzmodell, Platz TrpFhrWaSys |
Erste Ergebnisse dieser Versuche belegen, dass wir trotz des sicher nicht gerade komfortablen Innenraums (definiert aus Rahmenbedingungen Schutz und Außenmaßen zur Einhaltung des Transitlademaßes) durch die Verwendung neuer Gurtsitze sowie neuartiger Sitzanordnung gute Bedingungen für die 6 Soldaten im Hinteren Kampfraum vorfinden. Die persönliche Ausrüstung findet unter bzw. hinter den Sitzen Platz. Mit einem zentralen Rack im Kampfraum sowie Verstaumöglichkeiten in der Heckklappe und in Außenstaukästen kann auch die weitere Ausrüstung der Gruppe, incl. Munition, Nachtsichtgeräten und Wasser, zweckmäßig untergebracht werden. Probleme bereitet derzeit noch die Verstauung von Teilen der Ausrüstung der Kernbesatzung (MKF, GrpFhr, TrpFhrWaSys). Hier wird gemeinsam mit der Industrie nach Lösungen gesucht.
Der SPz PUMA wird neben neuen Winkelspiegeln zusätzlich Kameras zur ergänzenden Beobachtung und Aufklärung im rückwärtigen Bereich erhalten. Dafür sind fünf Kameras (eine davon als Rückfahrkamera MKF) integriert in die Wanne vorgesehen. Zur Darstellung werden den Soldaten im Hinteren Kampfraum zwei Monitore zur Verfügung stehen.
Zur Erprobung der Auswirkungen der für uns auf Grund der Sitzanordnung neuen rückblickenden Beobachtung durch die Winkelspiegel sowie der Möglichkeiten der Kamerasicht im Fahrbetrieb fanden im September 2004 Versuche gemeinsam mit der Industrie bei der Wehrtechnischen Dienststelle (WTD) 41 in Trier statt. Dabei waren die vorgesehenen Hardwarekomponenten auf / in einem Marder-Fahrgestell montiert. In verschiedenen Versuchen, dabei auch zweistündigen Dauerfahrversuchen, mit mehreren Soldaten und unterschiedlich schwer zu erkennenden Zielen konnte mit den Winkelspiegeln eine sehr gute Aufklärung nachgewiesen werden. Das befürchtete Eintreten der Kinetose (vglb "Seekrankheit") im Fahrbetrieb während des Beobachtungsvorganges durch die Sichtmittel war bei keinem der Soldaten nachzuweisen.
Das Aufklärungsergebnis mit dem elektro-optischen Sichtmittel war deutlich geringer. Gleichwohl ist damit neben der die Winkelspiegelsicht ergänzenden Beobachtung, vor allem im Nahbereich, eine Einweisung durch den TrpFhr in Lage und Gelände bereits vor dem Absitzen möglich.
![]() | ![]() | ![]() |
| Kamera montiert auf Marder Fahrgestell | Beobachtung durch rückblickenden Winkelspiegel (Marder Fahrgestell) | Beobachtung am Monitor (Marder Fahrgestell) |
Im II. bis IV. Quartal 2005 standen und stehen vor allem weitere industrieinterne Arbeiten an. Die Arbeit an Teilsystemen sowie dazugehöriger Erprobungen bilden den Schwerpunkt. Hinzu kommen vorgezogene Nachweisführungen durch die Bedarfsträgerseite (BWB, WTD), um den Übergang zwischen Projektierungs- und Einführungsphase so kurz wie möglich zu halten. Der Schwerpunkt der militärischen Nachweise (Einsatzprüfung) am System sowie an den erforderlichen Periphersystemen, hier vor allem an den Ausbildungsmitteln, liegt in 2006/ 2007.
www.freundeskreis-panzergrenadiere.de
Artikel: Aktueller Sachstand Projektierungsphase SPz PUMA
Quelle: Der Panzergrenadier, Heft 17
Autor: Oberstleutnant Ralf Kausmann