Die Panzergrenadiertruppe 2004

Die Veränderung bleibt steter Begleiter der Bundeswehr und damit auch der Panzergrenadiertruppe. So wurde im Jahr 2002 im Rahmen der 1. Moderaten Anpassung das JgBtl 371 nicht wie ursprünglich vorgesehen in ein Panzergrenadierbataillon umgewandelt. Größere Einschnitte in die Substanz der Truppe erfolgten dann auch im Jahr 2003 im Rahmen der 2. Moderaten Anpassung. Hier fanden folgende Veränderungen statt:

  • Umwandlung einer St-/VersKp von RK in VK (Reaktionskräfte und Verstärkungskräfte)

  • Umwandlung von zwei PzGrenKp RK in VK

  • Umwandlung aller bestehenden Schweren PzGrenKp (4) von RK in VK.

Diese Maßnahmen wurden getroffen, um andere Truppengattungen in ihrer Verfügbarkeit für anstehende Einsätze zu erhöhen.

Derzeit verfügt die Bundeswehr über 13 aktive Panzergrenadierbataillone.

Darüber hinaus gibt es noch vier nichtaktive Panzergrenadierbataillone, die über die annähernd gleiche Gliederung verfügen wie die aktiven Verbände. Dies sind

  • das Panzergrenadierbataillon 362 in Oberviechtach,

  • das Panzergrenadierbataillon 172 in Bad Segeberg

  • das Panzergrenadierbataillon 422 in Brandenburg und

  • das Panzergrenadierbataillon 382 in Marienberg.

Der Auflösungsbefehl für das aktive Panzergrenadierbataillon 52 in Rothenburg wurde aufgehoben. Es bildet derzeit Rekruten für die Streitkräftebasis aus, hat aber sein Großgerät weitgehend abgegeben.

Ende 2004 werden die noch bestehenden Panzerjägerzüge die Bataillone verlassen.

Bis 2005 soll auch noch die Auslieferung von 74 minengeschützten Marder 1 A5 abgeschlossen werden, diese Fahrzeuge sind speziell für Auslandseinsätze vorgesehen und werden hierfür in einem Fahrzeugpool bereitgehalten. Eine Ausstattung der Truppe mit diesem Fahrzeug ist vorerst nicht geplant.

Das Jahr 2004 brachte aufgrund der neuen Verteidigungspolitischen Richtlinien die endgültige Umgestaltung der Bundeswehr in eine  Interventionsarmee mit sich. Die Ausplanung dieser Struktur erfolgt im Jahr 2004 und ihre Umsetzung soll bis 2010 erfolgen. Diese Umgestaltung wird auch wesentliche Folgen für die Panzergrenadiertruppe haben.

Planungen sehen vor, die Panzergrenadiertruppe weiter von 13 aktiven Bataillonen  auf 8 aktive Bataillone  zu reduzieren. Panzergrenadierverbände werden in Zukunft in der neuen Struktur sowohl für die so genanntensogenannten Eingreifkräfte (EK) (2 Btl) und die so genanntensogenannten Stabilisierungskräfte (SK) (6 Btl) vorgesehen.

Die zwei EK-Btl werden der PzGrenDiv (EK) zugeordnet, die 6 SK-Btl der PzGrenTr den drei PzGrenBrigaden, die so genanntensogenannten Kontingentkommandos unterstellt sind.

Diese Kräftekategorien werden über unterschiedliche Fähigkeiten verfügen.

Unser Generalinspekteur, General Schneiderhan, hat die Aufgaben der neuen Streitkräftekategorien am 04.12.2003 wie folgt beschrieben:

?Die Eingreifkräfte für friedenserzwingende Einsätze müssen in der Lage sein, einen raschen Erfolg gegen einen militärisch organisierten Gegner bei minimierten eigenen Verlusten zu erzielen. Damit erzielen sie eine hohe Abschreckungswirkung, können friedenserzwingende Maßnahmen durchsetzen und die Voraussetzungen für friedenserhaltende Operationen schaffen. Dazu müssen sie im streitkräftegemeinsam und multinationalen Umfeld in allen Dimensionen wirksam eingesetzt werden können. Sie müssen zu uneingeschränkten vernetzten Operationen und zum Gefecht der verbundenen Waffen, zur verbundenen Luft- und Seekriegführung sowie zum präzisen Waffeneinsatz im gesamten Reichweitenspektrum befähigt sein. ...

Die Stabilisierungskräfte für friedenserhaltende Einsätze müssen sich gegen einen überwiegend asymmetrisch operierenden Gegner durchsetzen können. Sie müssen Konfliktparteien trennen und Waffenstillstandsvereinbarungen überwachen können. Sie sollen den Schutz der Bevölkerung, staatlicher Autorität und der Bevölkerung sicherstellen und müssen zur Abwehr örtlich begrenzter Angriffe befähigt sein. ..."

Er stellte in diesem Zusammenhang allerdings auch fest, dass die Trennlinie zwischen friedensschaffenden und friedenserhaltenden Einsätzen nicht klar zu definieren ist. Die Einsatzformen könnten sehr wohl ineinander übergehen und auch parallel im Operationsgebiet abgefordert werden.

Welche konkreten Auswirkungen auf die Truppengattung die neue Konzeption der Bundeswehr haben wird, werden allerdings erst die Detailausplanungen der nächsten Monate aufzeigen. Es ist jedoch davon auszugehen, dass zumindest konzeptionell Grundwehrdienstleistende sowohl in den Verbänden der EK und der SK die Ausnahme sein werden.

Nicht nur die Anzahl der Btl, sondern auch die Binnenstruktur der Bataillone wird sich gravierend verändern.

Neben einer Stabs-/VersKp werden die zukünftigen Bataillone nur noch über drei Kampfkompanien verfügen. Die Binnenstruktur aller Kompanien orientiert sich an der STAN ?Heer der Zukunft". Die schwere PzGrenKp wird ersatzlos wegfallen. Die Zukunft wird zeigen, wie man den Fähigkeitsverlust, der aus dem Wegfall der unmittelbaren Feuerunterstützung durch die Panzermörser bei den PzGrenBtl folgt, ausgleichen kann. Trotz dieser zum Teil einschneidenden Veränderungen wird die Panzergrenadiertruppe auch in Zukunft eine der flexibelst einsetzbaren  Truppengattungen bleiben. Gerade in Szenaren, die von einem so genannten ?Three Block War" Zukünftigen Bataillone nur noch über drei Kampfkompanien verfügen. Die Binnenstruktur aller Kompanien orientiert sich an der STAN ?Heer der Zukunft". Die schwere PzGrenKp wird ersatzlos wegfallen. Die Zukunft wird zeigen, wie man den Fähigkeitsverlust, der aus dem Wegfall der unmittelbaren Feuerunterstützung durch die Panzermörser bei den PzGrenBtl folgt, ausgleichen kann.4 Trotz dieser zum Teil einschneidenden Veränderungen wird die Panzergrenadiertruppe auch in Zukunft eine der flexibelst einsetzbaren  Truppengattungen bleiben. Gerade in Szenaren, die von einem sogenannten ?Three Block War" ausgehen kann sie, aufgrund ihrer Vielseitigkeit, den Lagen angepasst reagieren und eskalieren. Sie ist nicht mehr darauf beschränkt eine Begleitfunktion für die PzTr auszuüben, sondern wird in zahlreichen Szenaren zum Hauptakteur werden. Darüber hinaus bieten Schützenpanzer den Besatzungen einen deutlich höheren Schutz, als dies i.d.R. bei Infanterietransportfahrzeugen zu erreichen ist.

 Gerade auch deshalb ist es von besonderer Bedeutung, dass ab 2008 der neue Schützenpanzer PUMA bei der PzGrenTr eingeführt werden wird. Infolge des stark reduzierten Umfangs der Truppengattung ist es möglich, dass nach 2012 der SPz Marder komplett durch die geplanten 410 SPz PUMA ersetzt werden kann.

Der PUMA bringt vollkommen neue Qualitäten in die Truppengattung ein.

Erstmals in der Geschichte der gepanzerten Kampftruppen verfügt die PzGrenTr über das technologisch modernste Gefechtsfahrzeug der Kampftruppen.

Die Panzergrenadiertruppe ist somit zum Protagonisten der gepanzerten Kampftruppen geworden.

Der PUMA ist bezüglich der Feuerleitanlage und Beweglichkeit vergleichbar mit modernsten KPz. Dies wird zum einen durch den neuen Motor mit 800 kW Leistung erreicht. Dieses (High-Power-Density) HPD - Triebwerk wird bezüglich Gewicht, Volumen und Kraftstoffverbrauch deutliche Reduzierungen erbringen. Das neue abgekoppelte, hydropneumatische Laufwerk wird diese Leistung umsetzen und durch markante Geräusch- und Vibrationsreduzierung die Besatzung im Vergleich zu herkömmlichen Laufwerken deutlich entlasten.

Die 30 mm BMK der Fa. Mauser ist zwar eine konventionelle Waffe, doch mit der panzerbrechenden Pfeilmunition und der neu entwickelten tempierbaren Munition (Air burst ammunition) setzt sie neue Maßstäbe. Diese ?Airburst"-mm BMK der Fa. Mauser ist zwar eine konventionelle Waffe, doch mit der panzerbrechenden Pfeilmunition und der neu entwickelten tempierbaren Munition (Air burst ammunition) setzt sie neue Maßstäbe. Diese ?Airburst"-Munition wird es ermöglichen auch hinter Deckungen befindliche Ziele zu bekämpfen. Auch ist ihre Flächenwirkung gegen weiche Ziele deutlich höher, als die der bei der PzGrenTr eingeführten 20mm Spreng- Brandmunition.

Der Schutz des PUMA wird modular aufgebaut sein. In der Grundversion der Schutzstufe C (max. 43 t) wird der PUMA über einen maximalen Schutz verfügen, der deutlich besser sein wird, als der eingeführter Schützenpanzer und der auch einen Schutz gegen Hohlladungsmunition (z. B. RPG 7) mit einbezieht. Dieser Schutz wird klappbar angebracht sein, damit das Fahrzeug ohne Umrüstmaßnahmen im Transitlademaß bleibt. Mit geringem technischen Aufwand soll der modulare Panzerschutz vor allem an der Seite und auf der Wanne entfernt werden können. In dieser Schutzstufe A (31,4 t) kann der Schützenpanzer dann, in einem verminderten Rüst- und Beladezustand, in der A 400 M transportiert werden. In dieser Schutzstufe A ist sein Schutzniveau vergleichbar dem eingeführter Schützenpanzer seiner Gewichtsklasse. In beiden Schutzstufen verfügt er über einen Schutz gegen Blast- und projektilbildende Minen, wie ihn derzeit kein vergleichbarer Schützenpanzer aufzeigen kann. Völlig neuartig wird im PUMA das Sichtsystem sein. Die ?Turmbesatzung" wird über ein gemischtes optisches und optronisches System verfügen. Neu für die deutsche PzGrenTr ist, dass der Kommandant über einen, unabhängig von der Turmstellung, drehbaren Rundumblicksensor verfügen wird. Er kann dadurch über Glasoptik, Kamera und Wärmebildgerät in vier Vergrößerungsstufen beobachten. Der Richtschütze, in Zukunft ?Truppführer Waffensystem" B. RPG 7) mit einbezieht. Dieser Schutz wird klappbar angebracht sein, damit das Fahrzeug ohne Umrüstmaßnahmen im Transitlademaß bleibt. Mit geringem technischen Aufwand soll der modulare Panzerschutz vor allem an der Seite und auf der Wanne entfernt werden können. In dieser Schutzstufe A (31,4 t) kann der Schützenpanzer dann, in einem verminderten Rüst- und Beladezustand, in der A 400 M transportiert werden. In dieser Schutzstufe A ist sein Schutzniveau vergleichbar dem eingeführter Schützenpanzer seiner Gewichtsklasse. In beiden Schutzstufen verfügt er über einen Schutz gegen Blast- und projektilbildende Minen, wie ihn derzeit kein vergleichbarer Schützenpanzer aufzeigen kann. Völlig neuartig wird im PUMA das Sichtsystem sein. Die ?Turmbesatzung" wird über eine gemischtes optisches und optronisches System verfügen. Neu für die deutsche PzGrenTr ist, dass der Kommandant über einen, unabhängig von der Turmstellung, drehbaren Rundumblicksensor verfügen wird. Er kann dadurch über Glasoptik, Kamera und Wärmebildgerät in vier Vergrößerungsstufen beobachten. Der Richtschütze, in Zukunft ?Truppführer Waffensystem" genannt, ist mit seinem Sensorblock natürlich unverändert an die Turmausrichtung gebunden. Alle Beobachtungen des Kommandanten können über einen Bildschirm im hinteren Kampfraum an den Schützentrupp weitergegeben werden.7 Dadurch ist es möglich den Schützentrupp noch unter Panzerschutz in den abgesessenen Auftrag einzuweisen. Der Schützentrupp selbst verfügt über Winkelspiegelsichten für die hinteren 270 Grad des Fahrzeugs. Diese Winkelspiegel werden über ein deutlich größeres Sehfeld und bessere Beobachtungsmöglichkeiten verfügen, als die des SPz MARDER. Einzelne Bildverstärkergeräte, die an den Winkelspiegeln angebracht werden können, ergänzen die Nachtkampffähigkeit des SPz auch für den Bereich des SchtzTrp. Durch die Sitzposition der Schützentruppsoldaten mit dem Rücken zur Bordwand müssen die Winkelspiegel allerdings relativ weit innen angebracht werden, dadurch ergibt sich ein relativ großer toter Raum um das Fahrzeug. Dieser wird durch 5 Kameras abgedeckt. In einem Bereich von 2m – 60m um das Fahrzeug kann die Besatzung dadurch fast lückenlos den Nahbereich aufklären. Eine dieser Kameras kann der Kraftfahrer ebenfalls für Rückwärtsfahrten nutzen.

Diese neuen Technologien werden auch wesentlichen Einfluss auf die zukünftigen Einsatzgrundsätze (auch über die Truppengattung hinaus) haben. Details hierzu werden in den nächsten Monaten zu untersuchen sein. Einige Beispiele mögen nur mögliche Veränderungen anreißen.

Der aufgesessene Kampf der Schützentrupps, so wie man ihn vom Marder her kannte, wird aufgrund des ferngesteuerten Turmes und der neuen Feuerleittechnik nicht mehr in gewohnter Weise durchzuführen sein. Der Kommandant wird in Zukunft das Fahrzeug im Einsatz taktisch unter Luke führen. Die Beobachtung über Luke wird die Ausnahme sein. Abgestützt auf eine Fahrzeugnavigationsanlage und eine Führungsinformationssystem kann jedoch auch so eine Führung des Fahrzeugs sichergestellt werden.

Wir werden uns umgewöhnen müssen.

Die Panzergrenadiertruppe erhält mit dem SPz PUMA ein hochmodernes Waffensystem, das auch strategisch hochmobil sein wird. Durch seine modulare Schutztechnologie bietet es der Besatzung höchstmöglichen Schutz für jeden denkbaren Einsatz, sei es in einem Gefecht mit höchster Intensität bis hin zu friedenserhaltenden Einsätzen. Für die Panzergrenadiertruppe ist jedoch der neue Schützenpanzer nur ein Teilaspekt. Die volle Wirksamkeit der Truppengattung wird erst erreicht werden, wenn zum Einen eine Anbindung an FüInfoSys sichergestellt ist und zum Anderen die Fahrzeugbesatzung mit dem ?System Infanterist der Zukunft" e hochmodernes Waffensystem, das auch strategisch hochmobil sein wird. Durch seine modulare Schutztechnologie bietet es der Besatzung höchstmöglichen Schutz für jeden denkbaren Einsatz, sei es in einem Gefecht mit höchster Intensität bis hin zu friedenserhaltenden Einsätzen. Für die Panzergrenadiertruppe ist jedoch der neue Schützenpanzer nur eine Teilaspekt. Die volle Wirksamkeit der Truppengattung wird erst erreicht werden, wenn zum Einen eine Anbindung an FüInfoSys sichergestellt ist und zum Anderen die Fahrzeugbesatzung mit dem ?System Infanterist der Zukunft" ausgestattet sein wird. Neue Einsatzszenare und  neue Technik werden in Zukunft neuen Anforderungen an die Panzergrenadiertruppe stellen, ihr aber auch Entwicklungsmöglichkeiten bieten. In einem der nächsten Artikel werden wir versuchen einige dieser neuen Herausforderungen aufzuzeigen.

 

www.freundeskreis-panzergrenadiere.de
Artikel: Die Panzergrenadiertruppe 2004 - Sachstandsbericht
Quelle: Der Panzergrenadier, Heft 15
Autor:  Oberstleutnant Wolfgang Stipanitz

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