Kommentar
zum Buch von Oberst Arthur Schwitalla
"Jetzt weiß ich erst...."
Am 07.Juli 2009 flog ich mit einem Bundeswehr-Airbus von Köln nach
Termez in Usbekistan, der ersten Station auf dem Weg in den ISAF-Einsatz. Im
Handgepäck das Buch von Oberst Arthur Schwitalla, das mich unterwegs von der
langen Flugzeit ablenken sollte und auch ein wenig auf den bevorstehenden
Einsatz (wenn auch in völlig anderer Verwendung und an anderem Ort
eingesetzt) vorbereiten sollte. Ich las das Buch ohne Unterbrechung auf dem
7-stündigen Flug durch.
Für mich ist der zurzeit noch laufende Einsatz der Zweite in meiner
Laufbahn, Oberst Schwitalla schrieb das Buch während seines ersten
Einsatzes. Auch wenn ich meinen ersten Einsatz als Stellvertretender
Kommandeur der Task Force ZUR 2002 im KOSOVO hatte, war es um so
überraschender, wie viele Parallelen ich in den Schilderungen von Herrn
Oberst Schwitalla entdecken konnte. Persönliches Verhalten im Einsatz,
Umgang mit und Verbindung zur Familie, schöne und weniger schöne Erlebnisse.
Die „Schutzengel“, die Oberst Schwitalla vor dem Einsatz geschenkt
bekam, erhielt ich von Freunden und meiner ältesten Tochter vor meinem
derzeit laufenden Einsatz. Als mich dann noch in Afghanistan, in meinem Büro
der erste Brief aus der Heimat bereits erwartete (Oberst Schwitalla erhielt
ein Paket zu Einsatzbeginn), wurde es mir unheimlich und es kam mir fast vor
wie ein Dejàvué.
Spannend und auch emotional erzählt, spricht dieses Buch gleichermaßen
den Soldaten an, der solches schon selbst erlebt hat oder gerade erlebt, wie
auch den „Neuling“ in Sachen Einsatz. Es ist daher aus meiner Sicht eine
große Hilfe für den Offizier/Unteroffizier, der den ersten Einsatz noch vor
sich hat und sicher spannende, emotionale Lektüre für alle Anderen. Aber
auch die Informationen über das Land und die Leute, oder vielmehr „wie tickt
Afghanistan und wie tickt der Afghane“ sind hilfreich und spannend zu lesen.
Fazit: Das Buch von Oberst Schwitalla ist nicht nur für den Soldaten
geeignet, der sich auf einen Einsatz vorbereitet. Es schildert
eindrucksvoll, ehrlich und authentisch die Gefühle, Sorgen aber auch Freuden
eines Familienvaters und lebenserfahrenen Truppenführers im Einsatz. Es ist
somit auch und vor allem dem jungen Führernachwuchs ans Herz zu legen, denn
es muss nicht mehr oder nicht nur „Adelheid es ist soweit!“ (Oechelhäuser)
sein. Ich stehe nun im 29. Dienstjahr und hätte nicht erwartet von einer
„Soldatengeschichte der Neuzeit“ persönlich so berührt werden zu können.
Vielen Dank Herr Oberst!
Den Kommentar sendete Oberstleutnant Stephan Müller,
Geschäftsführer des Freundeskreises der Panzergrenadiertruppe e.V., der noch
bis Mitte November im Stab des Regional Command North im Rahmen des 20.
Deutschen Einsatzkontingentes ISAF als XO Response eingesetzt ist.
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