Gemeinsame Zeit war prägend
Oberleutnant Daniela Klix - erste Infanteriezugführerin im Gefecht.
Kunduz. Die Durchführung eines IED Sweep, sprich die Suche nach versteckten improvisierten Sprengladungen, auf der „Route Kamins“ genannten Straße, die aus der Stadt Kunduz nach Westen führt, lautet vor rund drei Monaten der Auftrag der 2. Infanteriekompanie. Oberleutnant Daniela Klix führt den Charlie Zug und ist mit ihren Soldaten ganz vorne dabei. Zwischen dem Polizeihauptquartier und der Höhe bei J 92 gehen sie vor. „Ich hatte zwei Gruppen zum Sweep eingesetzt, zwei Gruppen zur Flankensicherung, ich selbst war unmittelbar dahinter. Wir waren keine hundert Meter weit gekommen, da flogen die ersten Panzerfaustgranaten auf uns zu“, berichtet Klix.
Es hatte an diesem Tag zwar Hinterhaltwarnungen gegeben, doch sah zunächst alles ruhig aus, bis zu diesem Moment, als das erste Gefecht der Kompanie in Afghanistan begann. Klix ist seit 2001 Soldatin, jetzt führt sie als erste Frau einen Panzergrenadierzug im Gefecht. Ihr Zug weicht zunächst aus, dann bekämpfen sie den Feind aus neuen Stellungen, stehen mit den anderen Zügen der Kompanie über Stunden im Feuer.
Ich wollte einen Beruf, in dem ich mit Menschen arbeiten und etwas für andere tun kann, so bin ich Soldat und Offizier geworden“, erzählt sie. Im Rahmen ihrer Offizierausbildung hat sie Sportwissenschaften an der Universität der Bundeswehr in München studiert. Sport ist auch ihr größtes Hobby, sie läuft Marathon, begeistert sich für Triathlon und gehört in beiden Disziplinen zur Auswahlmannschaft der Bundeswehr für die internationalen Militärmeisterschaften (CISM). „Am meisten beeindruckt hat mich sportlich der Marathonlauf auf der Großen Mauer in China, nicht nur weil ich dort gewonnen habe, auch die Teilnahme an den CISM Weltmeisterschaften in Belgrad war ein besonderes Erlebnis, so Klix.
Seit April vergangenen Jahres führt sie einen Panzergrenadierzug, hat sich mehr als sechs Monate mit ihren 30 Soldaten auf den gemeinsamen Einsatz vorbereitet. „Mir war klar, dass ich die Masse der Zeit mit den Männern des Zuges draußen sein würde, wir hatten uns gedanklich auf die Gefahren durch IED und Feuergefechte mit den Aufständischen eingestellt. Als ich hörte, dass ich einen abgesessenen Infanteriezug führen würde, habe ich zunächst überlegt“, erzählt sie. „Jetzt bin ich aber froh, dass es so war. Abgesessen können wir besser agieren. Von der Führung ist es zwar schwieriger, aber ich bin auch näher dran, im direkten Kontakt mit meinen Soldaten."
Ihre Familie steht hinter ihr, vor dem Einsatz in Afghanistan hatten aber alle Bauchschmerzen. „Ich hatte meinen Eltern und meiner Zwillingsschwester reinen Wein eingeschenkt, ihnen gesagt auf was wir uns vorbereiten und einlassen, auch auf das kämpfen.“
Wichtig für sie ist, zu unterscheiden zwischen Situationen höchster Anspannung und der Begegnung mit den Menschen, Tee zu trinken und miteinander zu sprechen. Dann kommt es darauf an, den Menschen zu erklären warum ISAF hier ist und sich auch selbst diese Frage zu beantworten, wenn die Bevölkerung ablehnend reagiert. Bei einem anderen IED Sweep hat ihnen ein Bewohner gezeigt, wo die Aufständischen einen Sprengsatz vergraben hatten, für den Charlie Zug ein Lichtblick und Motivation weiter zu machen.
Vor wenigen Tagen hat Klix Afghanistan mit dem Gefühl verlassen etwas Sinnvolles getan zu haben: „Der Einsatz war eindeutig ein Gewinn für mich, ich bin persönlich gewachsen, die gemeinsame Zeit hier hat mich als Mensch und Offizier geprägt.“ Und sie ist froh, dass alle Soldaten ihres Zuges und der Kompanie den Einsatz gut überstanden haben. Zu Hause will Klix die Menschen sensibilisieren für den Einsatz in Afghanistan, der gut und wichtig sei. Auch sportlich hat sie sich nach Rückkehr in die Heimat einiges vorgenommen: Im Oktober will sie in Griechenland einen Marathon laufen – auf der historischen Strecke.
Von Paul-Georg Weber
Dieser Beitrag ist erschienen in BW-Aktuell vom 23.08.2010
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